Die berühmte Shibuya Kreuzung

Japan: Eine unvergessliche Reise nach Tokio und Kyoto

Ankunft in Tokio – Willkommen in einer anderen Welt

Ende Dezember machten wir uns auf den Weg nach Japan. Schon lange stand das Land der aufgehenden Sonne auf unserer Reiseliste. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Von Freunden und Bekannten hatten wir immer wieder dieselben Dinge gehört: höfliche Menschen, absolute Sauberkeit, ein außergewöhnliches Sicherheitsgefühl und gleichzeitig die beeindruckende Größe und Lebendigkeit der Metropole Tokio.

Mit dem Flugzeug ging es von Düsseldorf nach Tokio. Wir flogen mit Emirates und legten einen kurzen Zwischenstopp in Dubai ein. Der Flug verlief wie immer problemlos und wir waren voller Vorfreude ein für uns noch unbekanntes Land zu entdecken.

Und so landeten wir nach gut 20 Stunden am Flughafen Tokio Narita. Bereits am Flughafen bemerkten wir die für Japan typische Ruhe und Ordnung. Obwohl viele Menschen unterwegs waren, wirkte alles strukturiert und organisiert. Die Gepäckannahme funktionierte unkompliziert und wir waren trotz später Stunde euphorisch die Stadt zu entdecken.

Angekommen und sichtlich müde
Angekommen und sichtlich müde

Trotz Vorbereitung waren wir nicht sicher, welchen Transfer wir so spät am Abend in die Stadt wählen sollten. Es gibt verschiedene Systeme, vom Narita Express über die günstige JR Sobu Linie oder den Keisei Skyliner. Da wir kurz vor Mitternacht landeten, nahmen wir den nächstbesten Zug, der bereit stand, in diesem Fall die Sobu Linie. Es handelt sich um eine sehr kostengünstige Lösung, aber auch die zeitintensivste Variante in die Stadt zu gelangen. Der Zug (vergleichbar mit einer U-Bahn) benötigt je nach Ziel in etwa 90 Minuten in die Stadt. Bis nach Shinjuku mussten wir sogar einmal umsteigen.

Richtig anstehen in Shinjuku
Richtig anstehen in Shinjuku

Hinweis:

Wenn ihr mit dem Ziel Innenstadt unterwegs sein, empfehlen wir den Narita Express. Er fährt die zentralen Stadtteile an, kostet ca. 3.000 Yen und benötigt knapp eine Stunde. Außerdem ist er etwas komfortabler ausgestattet als die Sobu Linie.

Anfangs war die Bahn noch gut gefüllt. Je näher wir jedoch unserem Ziel kamen, desto leerer wurden die Waggons. Mittlerweile war es bereits deutlich nach Mitternacht.

Und dennoch hatte man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Stadt schlafen würde.

Auch so spät in der Nacht waren Menschen unterwegs (normale arbeitende Menschen, junge Menschen), Geschäfte beleuchtet und Züge in Betrieb. Tokio wirkte auf uns wie eine Stadt, die niemals vollständig zur Ruhe kommt.

Trotz der Müdigkeit fühlten wir uns sofort wohl und willkommen.

Eingang zu unserer Straße zum Hotel
Eingang zu unserer Straße zum Hotel

Unser Hotel in Shinjuku

Für unseren Aufenthalt hatten wir uns für das Pearl Hotel Shinjuku Akebonobashi entschieden.

Der große Vorteil des Hotels war eindeutig die Lage. Die Unterkunft befindet sich in einer ruhigen Nebenstraße, nur etwa 200m von der nächsten U-Bahn-Station, Akebonobashi, entfernt. Gerade für einen ersten Aufenthalt in Tokio ist das Gold wert, denn viele Sehenswürdigkeiten lassen sich von hier aus unkompliziert erreichen.

Bereits vor der Reise wussten wir, dass Hotelzimmer in Japan oft deutlich kleiner ausfallen als in Europa.

Als wir allerdings unser Zimmer betraten, waren wir trotzdem geschockt.

“Klein” war in diesem Fall fast schon untertrieben. Noch nie kamen uns 9qm so klein vor 😊

Unser Hotelzimmer(chen)
Unser Hotelzimmer(chen)

Für einige Nächte war das vollkommen in Ordnung, im Nachhinein würden wir jedoch jedem empfehlen, vor der Buchung die Quadratmeterzahl etwas genauer zu prüfen (als wir es taten…). Dafür überzeugte das Hotel mit seiner Sauberkeit, der guten Anbindung und einer angenehmen, ruhigen Umgebung.

Unser Badezimmer(chen)
Unser Badezimmer(chen)

Nach dem Check-in fielen wir schließlich erschöpft ins Bett.

Erster Tag in Shinjuku

Nach einigen Stunden Schlaf starteten wir entspannt in unseren ersten richtigen Tag in Tokio.

Bevor wir uns ins Großstadtleben stürzten, stand etwas auf dem Programm, das für zumindest unsere Asien-Reisende zum Pflichtprogramm gehört: Frühstück bei 7-Eleven.

7 eleven
7 eleven

Was in Deutschland lediglich ein einfacher Convenience Store wäre, besitzt in Japan und vielen anderen Ländern Südostasiens Kultstatus. Die Auswahl an frischen Speisen, Snacks und Getränken ist beeindruckend. Egal ob Sandwiches, Onigiri, warme Gerichte oder Süßspeisen – die Qualität überraschte uns bereits am ersten Morgen positiv.

Nun machten wir uns auf und erkundeten Shinjuku. Natürlich mussten wir auch mal einen Matcha Kaffee probieren 🙂

Cafe in Shinjuku
Cafe in Shinjuku

Mit über drei Millionen Menschen, die sich täglich durch den Bahnhof und die umliegenden Straßen bewegen, zählt das Viertel zu den geschäftigsten Orten der Welt. Zwischen modernen Hochhäusern, kleinen Nebenstraßen, Restaurants und unzähligen Geschäften gibt es hier ständig etwas zu entdecken.

Omoide Yokocho
Omoide Yokocho

Besonders spannend fanden wir den Kontrast zwischen den riesigen Wolkenkratzern und den kleinen, fast dörflich wirkenden Seitenstraßen, unmittelbar beieinander. Omoide Yokocho zum Beispiel im Herzen Shinjukus ist besonders sehenswert. Als Schwarzmarkt-Gasse entstanden versprüht dieser kleine uselige Straßenzug absolutes Flair. Eine Kneipe reit sich an die nächste. Die Lokale sind klein und voller Leute. Zum Ausgehen und mit Menschen ins Gespräch kommen bei Bier und Hähnchenspießen vom Grill, inmitten dieser Metropole, ist Omoide Yokocho ein bekannter Anlaufpunkt. Um das echte Stadtleben kennenzulernen, war das ein guter Auftakt für uns. Das grüne Eingangsschild eröffnet die sehr schmale Gasse.

Typisches Lokal in Omoide Yokocho
Typisches Lokal in Omoide Yokocho

Immer wieder begegneten wir den Eigenschaften, die Japan so häufig zugeschrieben werden.

Es war makellos sauber, überall, kein Müll auf den Straßen, ein absolutes Gefühl der Sicherheit, überall. Und die Menschen begegneten uns ausgesprochen höflich, wohin wir auch kamen.

Shibuya und die wohl bekannteste Kreuzung der Welt

Am nächsten Tag führte uns unser Weg nach Shibuya.

Wer Tokio besucht, kommt an diesem Viertel kaum vorbei. Das Viertel entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Einkaufs- und Trendzentren Japans. Viele Modetrends, die später im ganzen Land bekannt wurden, nahmen hier ihren Ursprung. Besonders junge Japaner prägen das Bild der Straßen rund um die berühmte Kreuzung.

Die berühmte Shibuya Crossing gilt als die wohl bekannteste Fußgängerkreuzung der Welt. Sobald die Ampeln auf Grün schalten, strömen Menschen aus allen Richtungen gleichzeitig über die Straße.

Wir hatten die Bilder unzählige Male gesehen.

Trotzdem ist es beeindruckend, dieses Schauspiel erstmals selbst zu erleben.

Der Starbucks bietet eine gute Sicht auf die Shibuya Kreuzung
Der Starbucks bietet eine gute Sicht auf die Shibuya Kreuzung

Rund um die Kreuzung reiht sich ein Geschäft an das Nächste. Riesige Bildschirme leuchten an den Fassaden, Musik schallt aus den Eingängen und überall bewegen sich Menschen durch die Straßen.

Und dennoch wirkt das Ganze erstaunlich geordnet.

Genau dieser Gegensatz machte Tokio für uns so faszinierend.

Kostenlos über den Dächern Tokios

Ein echtes Highlight des Tages war der Besuch des Tokyo Metropolitan Government Building.

Tokyo Metropolitan Government Building
Tokyo Metropolitan Government Building

Die Aussichtsplattform zählt aus unserer Sicht zu den besten kostenlosen Attraktionen der Stadt.

Pause im 48. Stock
Pause im 48. Stock

Zwar mussten wir rund 30 bis 45 Minuten anstehen, die Zeit verging jedoch erstaunlich schnell. Oben angekommen wurden wir mit einem fantastischen Blick über die riesige Metropole belohnt.

Ausblick auf Tokio
Ausblick auf Tokio

Aus dieser Perspektive wird nochmal mehr deutlich, wie gigantisch groß Tokio tatsächlich ist.

Die Stadt scheint sich bis zum Horizont auszudehnen.

Bei gutem Wetter soll man von hier sogar den Mount Fuji erkennen können. Auch ohne freie Sicht auf Japans bekanntesten Berg lohnt sich der Besuch uneingeschränkt.

Unser Tipp: Wer Tokio zum ersten Mal besucht, sollte diese Aussichtsplattform unbedingt einplanen.

Akihabara – das Paradies für Manga- und Animefans

Der dritte Tag führte uns nach Akihabara.

Akihabara "electric town"
Akihabara “electric town”

Das Viertel gilt als Mekka für Technikliebhaber, Gamer, Manga- und Animefans. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Akihabara zunächst zu einem Zentrum für Elektronikgeschäfte. Später kamen Videospiele, Manga und Anime hinzu. Heute gilt das Viertel weltweit als einer der wichtigsten Treffpunkte der japanischen Popkultur. Schon beim Verlassen der Bahnstation wird deutlich, dass hier eine ganz eigene Welt existiert.

Schnee in Akhihabara
Schnee in Akhihabara

Wir hatten das große Glück an dem Abend starken Schneefall mitzubekommen. Dicke Schneeflocken, wie wir sie schon lange nicht mehr gesehen hatten, vielen auf die grell beleuchteten Gebäude. Einfach unbeschreiblich schön und eine Szenerie, die ich niemals vergessen werde. Die Fotos sind atemberaubend und versprühen Cyperpunk-Stimmung.

Akhihabara
Akhihabara

Leuchtreklamen, riesige Animefiguren, Spielhallen auf mehreren Etagen und unzählige Geschäfte prägen das Straßenbild.

Auch Menschen (wie wir), die mit Manga und Anime eher weniger Berührungspunkte haben, werden von der Atmosphäre schnell mitgerissen.

Besonders die Spielhallen hinterließen bei uns Eindruck.

winning
winning

Auf mehreren Etagen versuchten Menschen ihr Glück an Greifautomaten, spielten Rhythmusspiele oder lieferten sich virtuelle Wettkämpfe. Die Geräuschkulisse und die vielen blinkenden Lichter machten den Besuch zu einem tollen Erlebnis.

Anime Store
Anime Store

Für Fans japanischer Popkultur ist Akihabara ein absolutes Muss.

Asakusa, Tempelbesuch und Abendessen mit Aussicht

Später zog es uns nach Asakusa, eines der traditionsreichsten Viertel Tokios. Während viele Stadtteile Tokios im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurden und heute modern wirken, konnte sich Asakusa einen Teil seines historischen Charmes bewahren. Rund um den Sensō-ji-Tempel erhält man einen Eindruck davon, wie Tokio vor vielen Jahrzehnten ausgesehen haben könnte.

Asakusa
Asakusa

Der Bereich rund um den berühmten Sensō-ji-Tempel zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Bereits der Weg durch die Einkaufsstraße Nakamise vermittelt einen Eindruck vom traditionellen Japan. Kleine Geschäfte verkaufen hier Souvenirs, Süßigkeiten und regionale Spezialitäten.

Besonders in den Abendstunden entwickelte die Gegend eine ganz besondere Atmosphäre.

Verkaufsmarkt in Asakusa
Verkaufsmarkt in Asakusa

Zwischen den beleuchteten Laternen, den Tempelanlagen und den vielen Besuchern entstand ein faszinierender Kontrast zur modernen Skyline Tokios.

Zum Abendessen entschieden wir uns für das Restaurant Gonpachi Asakusa Azumabashi.

Azumabashi Brücke
Azumabashi Brücke

Zugegeben: Das Restaurant schien uns etwas touristisch zu sein, aber wir sind voll und ganz auf unsere kulinarischen Kosten gekommen.

Das Essen war hervorragend, die Atmosphäre lebendig und besonders spannend war es, den Köchen bei der Zubereitung der Speisen zuzusehen. Solche offenen Küchen begegneten uns während unserer Reise in Japan immer wieder.

Ein weiterer Pluspunkt war die Lage.

Von den oberen Sitzplätzen bietet sich ein fantastischer Blick auf den Fluss sowie auf die berühmte goldene Asahi-Flamme, die zu den markantesten Wahrzeichen der Umgebung gehört.

Nur eine Sache sollte man wissen: Nach dem Besuch riecht die Kleidung ziemlich intensiv nach Essen. Wir hatten das Gefühl, den Geruch noch zwei Tage später wahrzunehmen. Trotzdem würden wir jederzeit wiederkommen! 🙂

Asahi Flamme
Asahi Flamme

Übrigens – auf der anderen Seite des Flusses ist die Asahi Hauptzentrale gelegen, mit der für uns etwas schwer erkennbaren Flamme. Amüsant, aber trotzdem sehenswert.

Zwischen Tradition und Moderne – Chiyoda, Kaiserpalast und japanisches Neujahr

Tag 4: Chiyoda und der Kaiserpalast

Unser vorletzter Tag in Tokio führte uns nach Chiyoda, dem politischen und historischen Zentrum Japans. Hier befinden sich nicht nur zahlreiche Ministerien und Regierungsgebäude, sondern auch der Kaiserpalast, die offizielle Residenz des japanischen Kaisers.

Chiyoda
Chiyoda

Wer Tokio hauptsächlich mit Neonlichtern, Menschenmassen und Wolkenkratzern verbindet, wird von Chiyoda überrascht sein. Rund um den Kaiserpalast erstrecken sich weitläufige Grünanlagen, Wassergräben und Parkflächen, die mitten in der Millionenmetropole eine erstaunliche Ruhe ausstrahlen. Uns erinnerte die Atmosphäre stellenweise an den Central Park in New York – nur deutlich geordneter und japanischer.

Leider konnten wir den Kaiserpalast nur von außen besichtigen. Das Gelände ist um Neujahr nicht vollständig für Besucher geöffnet. Dennoch lohnt sich ein Spaziergang rund um die historischen Mauern und Wassergräben. Kaum ein anderer Ort verdeutlicht so eindrucksvoll den Kontrast zwischen dem modernen Tokio und der jahrhundertealten Geschichte Japans.

Chiyoda
Chiyoda

Besonders auffällig war die Ruhe im Viertel. Da sich unser Besuch unmittelbar vor Neujahr ereignete, waren viele Büros bereits geschlossen. Überhaupt sollte man wissen, dass der Jahreswechsel in Japan anders gefeiert wird als in vielen westlichen Ländern. Während Weihnachten kaum eine Rolle spielt, gelten die Tage rund um Neujahr als wichtigster Familienfeiertag des Jahres. Viele Geschäfte, Restaurants und öffentliche Einrichtungen schließen für mehrere Tage ihre Türen.

Gerade deshalb wirkte Chiyoda auf uns fast entschleunigt. Zwischen modernen Bürogebäuden, gepflegten Grünflächen und breiten Straßen herrschte eine angenehme Gelassenheit, die wir in Tokio bisher kaum erlebt hatten.

Unser erstes richtig japanisches Fischrestaurant

Am Abend stand ein kulinarisches Erlebnis auf dem Programm, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist.

Wir éntdeckten auf unserer Erkundungstour zufällig ein kleines, traditionelles Restaurant namens Kanda Kingyo. Von außen eher unscheinbar, entpuppte sich das Lokal schnell als einer der Höhepunkte unserer Tokio-Reise.

Unser erster Besuch in einem Fischrestaurant
Unser erster Besuch in einem Fischrestaurant

Wir betraten das Lokal und wurden direkt an den Tresen geführt. Dort saßen wir an der offenen Küche und konnten dem Koch bei jedem Handgriff zusehen. Immer wieder zeigte er uns verschiedene maritime Speisen, erklärte vermutlich deren Herkunft und Zubereitung – zumindest interpretierten wir seine japanischen Ausführungen so. Trotz der Sprachbarriere funktionierte die Kommunikation erstaunlich gut. Ein Lächeln, ein Nicken oder ein neugieriger Blick genügten meist.

Besonders faszinierend war die Präzision, mit der die Zutaten verarbeitet wurden. Jeder Schnitt saß perfekt, jede Beilage hatte ihren festen Platz. In Japan wird die Zubereitung von Fisch vielerorts als Handwerk verstanden, das über Jahrzehnte perfektioniert wird.

Roher Fisch
Roher Fisch

Für mich war es die erste echte Begegnung mit japanischer Fischküche. Zwar hatte ich bereits 2011 während einer Reise nach Qingdao in China einmal rohen Kugelfisch probiert, doch dieses Erlebnis war völlig anders. Hier stand nicht das Außergewöhnliche im Mittelpunkt, sondern die Qualität der Zutaten und die Kunst ihrer Zubereitung.

Immer wieder deutete ich dem Koch an, dass ich gerne noch etwas Neues probieren würde. So verbrachten wir schließlich den gesamten Abend an der Theke, probierten uns durch die Speisekarte und genossen dazu kühles japanisches Bier. Einer dieser Reiseabende, die völlig ungeplant entstehen und am Ende einen solchen Ausflug in eine andere Kultur ausmachen.


Tag 5: Neujahr in Tokio

Der letzte vollständige Tag in Tokio begann entspannt.

Wir schlenderten ohne festes Tagesziel durch verschiedene Stadtteile, bewegten uns zwischen Shibuya, Shinjuku und den angrenzenden Vierteln. Viele Geschäfte hatten bereits geschlossen, die Straßen wirkten ruhiger als an den Tagen zuvor. Gleichzeitig war überall spürbar, dass sich die Stadt auf den Jahreswechsel vorbereitete.

Tokio am Abend
Tokio am Abend

Für den Abend hatten wir uns etwas Besonderes vorgenommen. Wir wollten traditionelle Toshikoshi Soba also Neujahrsnudeln essen.

Diese Nudeln haben in Japan eine lange Tradition. Sie werden am letzten Tag des Jahres gegessen und symbolisieren ein langes, gesundes Leben. Für viele japanische Familien gehören sie genauso selbstverständlich zum Jahreswechsel wie Feuerwerk oder Raclette in Deutschland.

Nach längerer Recherche in Blogs und auf japanischen Webseiten fanden wir schließlich das Restaurant Suniki Udon Genki.

Traditionelle Nudeln bei Suniki Udon Genki
Traditionelle Nudeln bei Suniki Udon Genki

Die Suche hatte sich gelohnt.

Das Essen war hervorragend und gehört für uns bis heute zu den besten Restaurantbesuchen der gesamten Reise. Zufällig lernten wir den Besitzer kennen. Er war neugierig, wie zwei deutsche Reisende ausgerechnet sein Restaurant entdeckt hatten, und lud uns kurzerhand auf eine Runde Bier ein.

Neujahr am Meiji-Schrein

Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg zum Meiji-Schrein.

Hölzernes Torii
Hölzernes Torii

Der Schrein liegt in einem großen Waldgebiet mitten in Tokio und gehört zu den bedeutendsten Shinto-Schreinen Japans. Er wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zu Ehren von Kaiser Meiji errichtet, der das Land während der Meiji-Restauration in die Moderne führte und Japan nachhaltig prägte.

Für viele Japaner gehört der Besuch eines Schreins oder Tempels zu Neujahr fest dazu. Diese Tradition wird Hatsumōde genannt und bezeichnet den ersten Schrein- oder Tempelbesuch des neuen Jahres. Millionen Menschen nehmen jedes Jahr daran teil.

Bereits der Weg zum Schrein war beeindruckend.

Durch das riesige Torii-Tor betraten wir einen dicht bewaldeten Bereich, der die Hektik der Großstadt vollständig ausblendete. Obwohl es bereits dunkel war, war der Weg hell beleuchtet. Tausende Menschen bewegten sich langsam und geordnet in Richtung Schrein.

Zahlreiche Sicherheitskräfte sorgten dafür, dass der Besuch reibungslos verlief. Trotz der Menschenmassen herrschte eine überraschend ruhige und respektvolle Atmosphäre.

Der hell erleuchtete Weg zum Schrein
Der hell erleuchtete Weg zum Schrein

Am Schrein angekommen, spendeten wir einige Yen und zogen traditionelle Omikuji. Dabei handelt es sich um kleine Weissagungen, die Glück, Erfolg oder Herausforderungen für das kommende Jahr vorhersagen sollen. Je nach Ergebnis werden die Zettel anschließend mitgenommen oder an speziellen Gestellen auf dem Tempelgelände befestigt.

Kurz vor Mitternacht verließen wir den Schrein wieder.

Anders als in Deutschland erwartete uns kein großes Feuerwerk. Öffentliche Feuerwerke spielen in Japan zum Jahreswechsel kaum eine Rolle. Stattdessen steht der Jahreswechsel stärker für Besinnlichkeit, Familie und spirituelle Traditionen.

Gerade dieser ruhige und würdevolle Übergang ins neue Jahr gefiel uns überraschend gut. Es war eine völlig andere Erfahrung als die Silvesterfeiern, die wir aus Europa kennen.

Abschied von Tokio

Am nächsten Morgen packten wir unsere Koffer und machten uns auf den Weg nach Kyoto.

Tokio hatte uns begeistert.

Die Stadt ist laut und ruhig zugleich. Modern und traditionsbewusst. Futuristisch und jahrhundertealt. Nirgendwo sonst haben wir bisher erlebt, wie selbstverständlich Gegensätze nebeneinander koexistieren können.

Tokio ist voller Menschen und wirkt dennoch geordnet. Die Stadt ist riesig und gleichzeitig erstaunlich sauber. Zwischen Wolkenkratzern finden sich uralte Schreine, zwischen hektischen Bahnhöfen ruhige Parks und kleine Hausgärten.

Für uns war Tokio der perfekte Einstieg in Japan – faszinierend, abwechslungsreich und voller unvergesslicher Eindrücke. Eine Stadt, die man einmal im Leben besucht haben sollte.

Danke, Tokio!

Kyoto – Japans alte Kaiserstadt zwischen Tradition und Moderne

Nach den aufregenden Tagen in Tokio verbrachten wir sechs Tage in Kyoto – und bereits die Anreise war ein Erlebnis für sich. Mit dem Shinkansen ging es vom Großraum Tokio Richtung Südwesten. Besonders beeindruckend waren die Pünktlichkeit und die hohe Taktung der Züge. Selbst auf stark frequentierten Strecken verkehren die Hochgeschwindigkeitszüge nahezu im Minutentakt und treffen dennoch auf die Minute genau ein.

Fuji
Fuji

Ein Tipp für alle Reisenden: Wer keine zusätzliche Zeit rund um den Fuji einplanen möchte, kann am Bahnschalter an der Tokio Station darum bitten, auf der Seite des Zuges zu sitzen, von der aus der Berg sichtbar ist. Bei gutem Wetter bietet sich so die Gelegenheit, einen Blick auf den berühmten Mount Fuji zu erhaschen – für viele einer der Höhepunkte der Zugfahrt.

Straßenzüge in Kyoto bei Nacht
Straßenzüge in Kyoto bei Nacht

Bereits bei unserer Anreise bemerkten wir den Unterschied zu Tokio. Das Umland vor Kyoto war ländlicher, teilweise idyllisch. Kyoto wirkt deutlich kleiner, ruhiger und entspannter. Zwar leben auch hier über eine Million Menschen, doch die Atmosphäre ist wesentlich entschleunigter. Die Stadt war von 794 bis 1868 die Hauptstadt Japans und Sitz des Kaisers. Dadurch blieb sie über Jahrhunderte das kulturelle und religiöse Zentrum des Landes. Anders als viele andere japanische Städte wurde Kyoto im Zweiten Weltkrieg weitgehend von Zerstörungen verschont, weshalb sich zahlreiche historische Bauwerke bis heute erhalten haben und das erkennt man.

Unser Hotel – eine uneingeschränkte Empfehlung

Unser Zuhause für den Aufenthalt war das Hotel Grandereverie Kyoto – Link zum Hotel HIER.

Unser Hotelzimmer
Unser Hotelzimmer

Selten fällt eine Hotelbewertung so eindeutig aus: Dieses Hotel ist absolut und uneingeschränkt empfehlenswert.

Mit lediglich 16 Zimmern wirkt das Haus eher wie ein luxuriöses Boutique-Hotel als wie ein klassisches Stadthotel. Bereits beim Betreten spürt man die persönliche Atmosphäre. Der Eingangsbereich ist klein und man teilt sich das Foyer mit einer Bar, der Service hingegen außergewöhnlich.

Bad mit Dusche und Badewanne
Bad mit Dusche und Badewanne

Das Frühstück wurde jeden Morgen direkt aufs Zimmer gebracht. Die Zimmer selbst waren großzügig, hervorragend ausgestattet und makellos sauber. Besonders die Badezimmer überzeugten durch sehr hochwertige Armaturen. Die Betten gehörten zu den bequemsten Betten überhaupt, auf denen wir bis dato genächtigt hatten.

Fantastisches Frühstück
Fantastisches Frühstück

Noch beeindruckender als die Ausstattung war allerdings das Personal. Jeder Wunsch wurde mit einer Freundlichkeit und Selbstverständlichkeit erfüllt, die wir selbst in Japan nur selten erlebt haben. Manchmal musste man nochmal nachfragen, da Japaner ungern zugeben, etwas nicht verstanden zu haben. Im Zweifel bestätigen sie etwas und führen es dann anders aus, um niemanden aufgrund schwieriger Kommunikation in eine missliche Lage zu bringen – wow 😊

Sollten wir noch einmal nach Kyoto oder in die Region reisen, würden wir, ohne zu zögern wieder hier übernachten.

Tag 1 – Ankommen und Treibenlassen

Den ersten Tag nutzten wir bewusst ohne großes Programm. Statt Sehenswürdigkeiten abzuhaken, erkundeten wir die Umgebung unseres Hotels und ließen die Stadt auf uns wirken.

Nishiki Markt
Nishiki Markt

Besonders gefallen haben uns die überdachten Einkaufsstraßen mit ihren zahlreichen kleinen Geschäften, Imbissen und Sake-Ständen. Zwischen traditionellen Händlern, kleinen Restaurants und modernen Geschäften entsteht eine Mischung, die typisch für Kyoto ist. Der Nishiki Markt hat uns besonders überzeugt mit einer Vielzahl an Essensständen und Lokalen.

Sushi Stand auf dem Nishiki Markt
Sushi Stand auf dem Nishiki Markt

Tag 2 – Fushimi Inari

Der zweite Tag führte uns zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Japans: dem Fushimi Inari-Taisha.

Der Schrein ist dem Shintō-Gott Inari gewidmet, der traditionell als Schutzgott für Reis, Landwirtschaft und Handel verehrt wird. Berühmt wurde die Anlage vor allem durch ihre Tausenden roten Torii-Tore, die sich den Berg hinaufziehen.

Fushimi-Inari Schrein
Fushimi-Inari Schrein

Der Besuch lohnt sich. Die Torii-Gänge wirken besonders beeindruckend, wenn man sich etwas von den Hauptrouten entfernt. Mit zunehmender Höhe werden die Besucherzahlen geringer und die Atmosphäre deutlich ruhiger.

Der Schrein gehört zweifellos zu den Orten, die man bei einem ersten Besuch Kyotos gesehen haben sollte. Touristisch ist das natürlich auch, insbesondere das obligatorische Foto in den Torii-Gängen. Aber es gehört einfach dazu und der Ort ist trotz hoher Besucherzahlen faszinierend.


Tag 3 – Bambuswald und Ausflug ins Umland

Am dritten Tag besuchten wir den berühmten Bambuswald von Arashiyama.

Die Anreise mit der Bahn war unkompliziert und angenehm. Besonders der kleine Bahnhof vor Ort erinnerte uns mit seinem nostalgischen Charme ein wenig an einen Bahnhof aus den Harry-Potter-Filmen.

Bahnhof Arashiyama
Bahnhof Arashiyama

Der Bambuswald selbst war schön, allerdings würden wir ihn nicht unbedingt als Pflichtprogramm empfehlen. Die Natur ist reizvoll und der angrenzende Ort besitzt viel Charme, gleichzeitig ist die Gegend jedoch sehr touristisch.

Wer genügend Zeit in Kyoto hat, kann den Ausflug problemlos einplanen. Wer seinen Aufenthalt straffer gestaltet, kann diesen Programmpunkt jedoch auch ohne große Reue auslassen.

Arashiyama
Arashiyama

Für die letzten drei Nächte hatten wir ursprünglich ein anderes Hotel gebucht: das Royal Park Hotel Kyoto Sanjo.

Leider entsprach das Hotel überhaupt nicht unseren Erwartungen. Die Lage direkt an einer stark befahrenen Straße wirkte deutlich unruhiger. Die Zimmer konnten qualitativ nicht mit unserem bisherigen Hotel mithalten, und besonders störend fanden wir, dass sich die Fenster nicht öffnen ließen. Unser Aufenthalt dort dürfte rekordverdächtig kurz gewesen sein. Wir entschieden uns kurzerhand unser altes Hotel wieder zu beziehen – obwohl wir die bereits bezahlten Nächte nicht mehr stornieren konnten.

Rückblickend war das die richtige Entscheidung 🙂


Tag 4 – Der Kaiserpalast und das historische Kyoto

Am vierten Tag besuchten wir den Kyoto Imperial Palace.

Kyoto Imperial Palace
Kyoto Imperial Palace

Über viele Jahrhunderte lebten und regierten hier die japanischen Kaiser. Erst mit der Verlegung der Hauptstadt nach Tokio im Jahr 1868 verlor die Anlage ihre politische Bedeutung.

Was uns besonders beeindruckte, war die enorme Größe des Geländes. Die weitläufigen Kiesflächen, die historischen Gebäude und die gepflegten Parkanlagen vermitteln eindrucksvoll, welche Bedeutung Kyoto einst für Japan gehabt haben muss.

Ein weitläufiges Gelände
Ein weitläufiges Gelände

Am Abend erkundeten wir das östliche Stadtgebiet entlang des Flusses Kamo. Der Fluss schneidet die östliche Altstadt ab und fließt von Nord nach Süd direkt durch das Stadtzentrum. Er dient als Naherholungsort für viele Einwohner aus der Region.

Die beleuchteten Straßen, die traditionellen Gebäude und die entspannte Atmosphäre machten diesen Spaziergang entlag des Flusses zu einem der schönsten Abende unseres Aufenthalts.

Der Fluss Kamo
Der Fluss Kamo

Gerade nach Einbruch der Dunkelheit entwickelt Kyoto einen besonderen Charme, der sich nochmal von der Dynamik Tokios unterscheidet. Viele kleine Szenebars und Restaurants entlang der Haupt- und Nebenstraßen versprühen eine angenehmen traditionell-alternativ angehauchte Stimmung.


Tag 5 – Kyoto genießen

Nach mehreren Tagen voller Besichtigungen nutzten wir den fünften Tag bewusst ohne feste Pläne.

Wir schrieben Postkarten, spazierten durch die Nebenstraßen und kehrten in kleine Restaurants ein. Genau diese ruhigen Momente machten Kyoto für uns so besonders.

Eine besondere Empfehlung ist das Restaurant WanZhuJi Kyoto Nishikikouji.

Das kleine japanisch-chinesische Restaurant besuchten wir mehrfach während unseres Aufenthalts. Das Essen war hervorragend, die Portionen großzügig und vor allem der Service außergewöhnlich herzlich. Wir wurden jedes Mal äußerst aufmerksam und freundlich bedient.

Immer einen Besuch wert
Immer einen Besuch wert

Viele Restaurants bieten eine Online-Reservierung an. Wenn man sich auskennt, kann das von Vorteil sein und auch wir haben für unser Soba-Essen in Tokio reserviert. Allerdings sind wir auch in Kioto an vielen Türen abgewiesen worden, weil Lokale bereits ausgebucht war.

Apps wie Tabelog, TableCheck und viele weitere ermöglich eine Reservierung im Lokal. Wir haben Tabelog genutzt, weil wir den Eindruck hatten, dort die größte Restaurantauswahl zu haben. 


Tag 6 – Abschied von Kyoto

Viel zu schnell waren unsere sechs Tage in Kyoto vorbei. Die Zeit verging wie im Flug…

Die Stadt hat uns vor allem durch ihre Ausgewogenheit überzeugt. Sie bietet weltberühmte Sehenswürdigkeiten und bedeutende Geschichte, gleichzeitig, aber auch ruhige Wohnviertel und eine angenehm entspannte Atmosphäre sowie die Nähe zur Natur.

Während Tokio durch Größe, Tempo und Moderne beeindruckt, begeistert Kyoto durch Kultur, Geschichte und Lebensqualität. Wenn ich wählen müsste in einer Region längere Zeit zu verbringen, wäre es auf Grundlage unserer bescheidenen Erfahrung der Südwesten und die Region um Kyoto. Wir hatten das Gefühl dort mehr Natur und Entschleunigung zu finden, etwas, das uns nach einigen Tagen Tokio sehr gut anfühlte. Auch gibt es in Kyoto eine Vielzahl von Wellness-Hotels und traditionellen Thermalquellen, sogenannten Onsen. Das möchten wir bei unserem nächsten Besuch unbedingt ausprobieren! Mit vielen schönen Erinnerungen verabschiedeten wir uns schließlich von Japans alter Kaiserstadt und fuhren mit dem Shinkansen zurück nach Tokio.

Auch Tokio ist eine phänomenale Erfahrung und wir werden ganz sicher wiederkommen. Tokio hat einfach eine gute Aura und ein impulsives, modernes Gesicht. Zentral in Shibuya ist es schon wirklich sehr trubelig, aber fernab der Hauptstraßen um Shibuya und Shinjuku haben wir überraschend viele Orte aufgefunden, die eine Ruhe und Gelassenheit ausstrahlten und wir irgendwie typisch japanisch fanden. Die Stadtparks sind sauber und sicher.

Ich erinnere mich, wie wir am Neujahrsabend durch den Yoyogi-Park liefen, ein Stadtpark in Shibuya und wir erstaunt waren, wie sauber, gepflegt und sicher dieser Park war. Das ist nur eine der vielen japanischen Eigenschaften, die uns fasziniert haben. Die Kultur Japans hat uns sehr zugesagt und auch wenn es (wie überall auf der Welt) kulturell denkwürdige Zustände geben mag ( Arbeitsmentalität – zu viel statt zu wenig Arbeiten oder Gesichtsverlust), waren wir begeistert, ein aufrichtiges, stolzes, geordnetes und moderndes Land mit vielen traditionellen Elementen kennengelernt zu haben.

Nihon, hontōni arigatōgozaimasu.

Danke, Japan!

bye bye
bye bye

Von dort aus sollte bereits das nächste Kapitel unserer Reise beginnen: Dubai.